Immer noch ist das Paradigma in Medizin, in Politik und vielen Menschen geprägt durch die Idee, unsere Umwelt sei irgendwo und müsse dort auch gerettet oder bewahrt werden. Im spirituellen Weg wird uns allen klar, was auch die Wissenschaft immer deutlicher in den Vordergrund bringt: Umwelt fängt unmittelbar um uns herum an und verschwimmt undeutlich und ohne wirkliche Grenze mit dem, was wir sind. Das „Ich“ als Entität entsteht ganz praktisch aus dem was ich esse, trinke, atme und erlebe. Wir nehmen von der Umwelt auf und verwandeln das Aufgenommene in unserem Organismus zu dem was uns ausmacht, zu unserem Körper, unseren Emotionen, Gedanken und unserem Erleben von Identität. Wie könnte das Eine vom Anderen verschieden sein?
Die Menschwerdung ist durch und durch abhängig von der Umwelt, aus der wir entstanden sind. Unzählige Bakterien und Viren haben das Leben als Mensch ermöglicht. Wir sind nicht in der Lage, in einer sterilen Umwelt zu überleben. Faktisch bestehen wir aus mehr „fremden“ Zellen als eigenen, spezifisch menschlichen Zellen.
In der Geschichte der Menschheit sind wir irgendwann dem Glauben aufgesessen, dass
Natur etwas sei, dass außerhalb des Menschen liegt. Natur sei von uns verschieden, wir auf der einen und die Natur auf der anderen Seite. Als Fragende, als Meditierende im weitesten Sinne, als Menschen mit der Ebene zur Reflektion ist diese Betrachtungsweise nicht haltbar. Wir Menschen sind zutiefst und mit jeder unserer unzähligen Zellen Teil der Natur und Ausdruck der Energie, die wir dieser Natur für eine Weile entnehmen. Ein unglaubliches Geschenk, auch wenn es nur eine Leihgabe auf Zeit ist. Und sogleich stellt sich die Frage, wie wir mit diesem Geschenk umgehen möchten.
Derzeit sind viele Menschen mit Angst oder Traurigkeit oder Einsamkeit oder mit zu viel oder zu wenig Arbeit, Freizeit und Aktivitäten beschäftigt, um wirklich hinschauen zu können, was denn wichtig ist. Gretas Anstöße sind verpufft in den Turbulenzen der Panikmache. Wir alle wurden konfrontiert mit unserer Sterblichkeit.
Können wir auf mentaler, emotionaler und körperlicher Ebene spüren, worum es derzeit geht und was wichtig für uns ist? Gibt es wirklich ein „weiter so“ oder ein „zurück zu dem, was war?“ Können wir weiter alles konsumieren und uns von den Folgen dessen was wir tun, denken, essen, trinken, fühlen, sehen, hören, schmecken, erleben, … trennen? Uns selbst ein Bild zu machen, uns zu informieren, uns Gedanken zu machen und zu diskutieren anstatt zu diffamieren, uns wieder mit der Natur und unserer Umwelt verbinden und unsere Energie nutzen? Können wir – so wäre es mein Wunsch – anknüpfen an all das, was gut ist und würdevoll, verbindend und förderlich?
Würden wir Lebensmittel kaufen und essen, die unzählige Chemikalien enthalten, eine Luft atmen, die voller Feinstaub und Verunreinigungen ist, Wasser trinken von dem wir auf lange Sicht krank werden? Wenn jeder einzelne selbst Verantwortung übernimmt, dort wo wir jetzt sind, ganz unmittelbar und mit dem was wir haben so gut wie wir können, was würde wohl geschehen?
In Zuversicht – Dr. Günter Niessen (Text & Auto)
Dr. Günter Niessen ist praktizierender Internist, Orthopäde, Yogalehrer und Ayurvedatherapeut. Hat eine eigene Praxis in Berlin. Ich durfte bei ihm 2014 an der Weiterbildung `funktionelle Anatomie, Medizinische Aspekte & Yogapraxis` teilnehmen und meine Kenntnisse vertiefen. Es war sehr erhellend und lehrreich. Diese Kenntnisse lasse ich sehr gern in meine Yoga und Achtsamkeitsstunden sowie im Einzeltraining einfließen. Oftmals sind es die kleinen Bewegungen und Mobilisierungen die großes im Körper und Geist bewegen.
www.yogaundorthopaedie.de